
Ubuds Kunst- & Handwerksdörfer: Holzschnitzerei, Silber, Malerei & lebendige Tradition
Von Meisterholzschnitzern in Mas bis zu Gold- und Silberschmieden in Celuk — Ubuds umliegende Dörfer sind eine lebendige Galerie balinesischer Kunst. Entdecke sie, bevor es die Galerien tun.
Die Strasse südlich von Ubud nach Denpasar ist einer der kulturell reichsten Korridore der Insel. Wer im Auto vorbeifährt, würde es kaum erahnen — die Ladenfronten drängen sich nah ans Asphalt, Schilder buhlen um Aufmerksamkeit, und der Verkehr bewegt sich in seinem üblichen balinesischen Strudel. Doch hinter diesen Schaufenstern und in den von der Hauptstrasse zurückgesetzten Familienhöfen tun Meisterhandwerker das, was ihre Grosseltern und Urgrosseltern taten: Sie formen Holz, hämmern Silber, bedrucken Batik und malen in Stilen, die Jahrhunderte alt und unverkennbar lebendig sind.
Die Kunstdörfer rund um Ubud sind keine Museen. Sie sind Gemeinschaften, in denen Handwerk gleichzeitig Lebensunterhalt, Identität und spirituelle Praxis ist.
Mas: Das Dorf der Holzschnitzer
Mas liegt etwa 6 Kilometer südlich von Ubud und ist seit Generationen ein Begriff für balinesische Holzschnitzerei. Die Schnitzer des Dorfes sind Spezialisten sowohl für religiöse Skulpturen — die gezähnten Dämonenwächter (Raksasa), die Tempelportale flankieren, sowie die aufwändigen Relieftafeln zur Verzierung von Schreinen — als auch für dekorative Arbeiten, die Galerien und Exportlieferungen weltweit füllen.
Das hier am meisten geschätzte Holz ist Pule (Weisse Milkwood, Alstonia scholaris), das als heilig gilt und besonders für Tempelfiguren geeignet ist. Für weltliche Arbeiten werden Teak, Suar (Regenbaum) und Hibiskus verwendet. Wenn man durch Mas spaziert, sieht man Handwerker in offenen Werkstätten arbeiten — das Geräusch des Meissels auf Holz ist von der Gasse aus zu hören. Die Qualität reicht von Massenware für Touristen bis hin zu aussergewöhnlichen Einzelstücken, die Wochen in der Herstellung benötigen können.
Das Antonio Blanco Museum — das exzentrische Wohnstudio des spanisch-philippinischen Malers, der Ubud zu seiner Heimat machte — liegt in der nahen Campuan-Gegend und bietet einen faszinierenden Gegenpol: ein europäischer Künstler, der von der balinesischen Kunst verwandelt wurde, nicht umgekehrt.
Celuk: Gold und Silber
Einige Kilometer weiter südlich ist Celuk Balis Hauptstadt der Silberschmiedekunst. Das Dorf produziert seit Generationen feinsten Schmuck, und die Tradition reicht tief — viele Familien hier arbeiten seit mindestens vier oder fünf Generationen mit Edelmetallen und geben Techniken für Filigran, Granulation und Steinfassung weiter, die jahrelange Meisterschaft erfordern.
Die Hauptstrasse durch Celuk ist dicht gesäumt von Schauraümen, einige davon sehr gross und klar auf Reisegruppen ausgerichtet. Die interessanteren Arbeiten entstehen tendenziell in den kleineren Familienwerkstätten abseits der Strasse, wo man manchmal Handwerker bei der Arbeit mit winzigen Werkzeugen beobachten kann, die aufwändige Silberstrukturen Stück für Stück zusammensetzen. Wer einkauft, sollte nach handgefertigten Stücken mit sichtbaren Werkzeugspuren suchen statt nach maschinell gegossener Gleichförmigkeit — und keine Scheu haben, nach dem Herstellungsprozess zu fragen.
Goldarbeiten gibt es neben Silber, aber Silber war historisch Celuks Spezialität, oft gefasst mit Halbedelsteinen aus dem gesamten indonesischen Archipel.
Batuan & die Ubud-Maltradition
Batuan südlich von Ubud ist die Heimat einer der unverwechselbarsten künstlerischen Traditionen Balis: des Batuan-Malstils, der sich in den 1930er Jahren teilweise unter dem Einfluss des deutschen Künstlers Walter Spies und des niederländischen Malers Rudolf Bonnet entwickelte. Der Stil ist geprägt von dichten, dunklen Kompositionen — oft mit Szenen aus den hinduistischen Epen Ramayana und Mahabharata oder der Geisterwelt — vollgepackt mit Figuren und kaum leerem Raum. Der Effekt ist auf die beste Art hypnotisch und leicht beunruhigend.
Der breitere Ubud-Malstil, der sich parallel zur Batuan-Tradition entwickelte, neigt zu naturalistischeren Szenen: Reisfelder, Dorfleben, Marktszenen, mythologische Erzählungen. Beide Stile verwenden traditionelle Pigmente und feine Pinselführung, obwohl moderne Künstler beide Idiome in neue Richtungen weiterentwickelt haben.
Das Dorf Pengosekan ausserhalb von Ubud wurde ab den 1970er Jahren mit einer naturfokussierten Malbewegung assoziiert — Vögel, Fische und Tiere in detaillierten, fröhlichen Kompositionen dargestellt.
ARMA und Puri Lukisan: Die Museen Ubuds
Für den Kontext vor — oder nach — dem Besuch der Dörfer sind zwei Museen in Ubud selbst unverzichtbar.
Das Agung Rai Museum of Art (ARMA) befindet sich in einem wunderschönen Komplex traditioneller balinesischer Pavillons inmitten parkähnlicher Gärten. Seine Sammlung umfasst klassische balinesische Malerei, Werke der westlichen Künstler, die die Ubud-Kunstwelt prägten (Spies, Bonnet, Theo Meier), sowie zeitgenössische balinesische und indonesische Arbeiten. Der Komplex veranstaltet regelmässig Kulturaufführungen und Workshops, und allein die Gärten sind den Eintrittspreis wert.
Das Puri Lukisan Museum, 1956 gegründet — und damit eines der ältesten Kunstmuseen Balis — wurde unter direkter Beteiligung von Rudolf Bonnet und der Ubud-Königsfamilie eigens gegründet, um balinesische Kunst in Bali zu bewahren, zu einer Zeit, als vieles davon in den Taschen von Sammlern die Insel verliess. Seine Sammlung konzentriert sich auf traditionelle balinesische Malerei und Schnitzerei, und sein Gelände gehört zu den ruhigsten im Zentrum von Ubud.
Praktische Hinweise für Dorfbesuche
- Anreise: Die Kunstdörfer entlang des Hauptkorridors Ubud–Denpasar lassen sich am bequemsten mit dem Motorroller oder einem gemieteten Fahrer erkunden. Eine halbtägige Rundfahrt durch Celuk, Mas und Batuan ist gut machbar.
- Besucheretikette: Das Betreten einer Werkstatt oder Galerie verpflichtet nicht zum Kauf, aber nimm keine zerbrechlichen oder deutlich ausgestellten Stücke ohne Fragen in die Hand. Feilschen ist an Marktständen angemessen, in etablierten Galerien weniger.
- Werkstattbesuche: Viele Familienwerkstätten heissen Besucher, die echtes Interesse am Prozess zeigen, herzlich willkommen. Die Bitte, einem Schnitzer oder Silberschmied bei der Arbeit zuzusehen, wird meist freundlich aufgenommen.
- Echtheit: Achte auf handgefertigte Herkunft — sichtbare Werkzeugspuren, leichte Unregelmässigkeiten, ein Hersteller, der über den Prozess sprechen kann. Massenware existiert überall neben feinem Handwerk; den Unterschied erkennen zu lernen ist Teil des Abenteuers.
- Museumsöffnungszeiten: Sowohl ARMA als auch Puri Lukisan sind in der Regel täglich geöffnet. Aktuelle Zeiten vor dem Besuch prüfen und einen Morgen in den Museen eventuell mit einem Nachmittag in den Dörfern kombinieren.
Balis Kunstdörfer sind ein lebendiger Beweis dafür, dass feines Handwerk nicht altertümlich sein muss, um tiefgründig zu sein. Der Schnitzer in Mas, der ein Muster auf frisches Pule-Holz zeichnet, ist Teil derselben Tradition, die die Tempel erbaute — und wenn du sein Werk in den Händen hältst, hältst du einen Faden dieser Kontinuität in deinen Händen.


